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Kreislaufwirtschaft: «Mit Leonardo DiCaprio sind wir mit unseren Investitionen im Nachhaltigkeits-Bereich in guter Gesellschaft».

Sneakers und Teddybären aus ehemaligen Pet-Flaschen, Upcycling-Mode, «Zero Waste»-Läden oder Stahl, der zu 100 Prozent auf Basis von Schrott entsteht: Die Einfälle zur Kreislaufwirtschaft sind so unzählig wie wichtig. Doch neben guten Ideen braucht es vor allem Menschen, die an sie glauben und die Möglichkeiten bieten sie umzusetzen. Guenther Dobrauz-Saldapenna investiert als Mitgründer und Partner des Schweizer Investmenthauses exelixis capital AG in Startups, die sich mit neuen Geschäftsmodellen für echte Langlebigkeit und Nachhaltigkeit beschäftigen. Er setzt damit ein wertvolles Zeichen, denn eine bessere Welt ist ein Gewinn für alle.

Text: Sherin Kneifl


Warum widmen Sie sich als Venture Capital Investor dem Thema Kreislaufwirtschaft?


Es ist ein Weg, der uns wieder näher an die Natur führt. Dort gibt es eben keinen Müll. Jedes Blatt, das vom Baum fällt, ist nicht Abfall, sondern wird wieder Teil eines Kreislaufs. Das gleiche gilt für den Körper eines jeden Lebenswesens, das stirbt. Warum sollten wir das gleiche nicht auch mit jedem Hemd oder jeder Tasche machen können? Statt sie zu verbrennen oder wegzuwerfen, könnten wir sie entweder wieder zu Erde werden lassen oder aus ihnen das nächste Produkt fertigen. Schon diese Anfangsüberlegungen zur Kreislaufwirtschaft haben mich interessiert. Ich wollte mehr über regenerative Systeme wissen, in denen Ressourceneinsatz und Abfallproduktion, Emissionen und Energieverschwendung minimiert werden durch das Verlangsamen, Verringern und Schliessen von Energie- und Materialkreisläufen.

Foto: CV Summit Leadership Circles

Was hat Sie dazu motiviert, in diese einzusteigen?


Innovation im Business-Kontext beschäftigt mich seit gut 20 Jahren. Damals bin ich ins spannende Venture Capital ein- und wohl nie wieder ganz ausgestiegen. Die aktuelle Dynamik, die insbesondere aus der Kombination von unterschiedlichen Technologien resultiert, wird viel verändern. Denken Sie nur an Blockchain kombiniert mit künstlicher Intelligenz, oder 3D-Drucker mit dem «Internet of Things». Ich bin in die Kreislaufwirtschaft eingestiegen, weil dort Lösungswege für die Zukunft aufgezeigt werden und Nachhaltigkeit visionär weitergedacht wird.

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Bei welchen Startups sind Sie über Ihr Investment-Haus exelixis capital AG dabei?


Bei exelixis capital AG investieren wir primär in exponentielle Technologien, also Neuentwicklungen, die ein explosionsartiges Wachstum bewirken. Dazu zählen unter anderem Virtual Reality, Drohnen, künstliche Intelligenz und Blockchain, aber auch Sensorik oder Netzwerke. Praktisch jede Branche wird von den Folgen einer rasanten Entwicklung von Innovationen betroffen sein, was widerum Unternehmen grosse Chancen im Bezug auf Kosten- und Zeiteinsparungen eröffnet. Wir achten als Investor sehr genau auf das Geschäftsmodell beziehungsweise wie es sich realisieren lässt. Mit unserer Unterstützung wollen wir den Kreislaufgedanken in Startups vorantreiben.


Haben Sie schon ein Beispiel, wo das gelingt?


Besonders stolz sind wir auf die Berner OceanSafe AG, die auf über das B2B versucht, die Stoffe- und leiderindustrie zu revolutionieren und von einem internationalen Prüfunternehmen mit cradle-2-cradle Gold zertifiziert wurde.


Sie sind auch bei der Uhrenmarke ID Genève eingestiegen. Ein Unternehmen, welches das Produkt Uhr neu denkt.


Wir gehören dort zu den ersten Investoren und sind damit in bester Gesellschaft. US-Schauspieler Leonardo DiCaprio, mittlerweile einer der berühmtesten Investoren im Nachhaltigkeitsbereich, ist ebenso an Bord, weil wir wohl daran glauben, dass hier eine Revolution möglich ist.

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Wie wird sich Ihrer Meinung die Kreislaufwirtschaft entwickeln?


Noch haben wir kaum damit begonnen, das Potenzial zu nutzen. In einer idealen Welt ist alles, was wir verwenden kreislauffähig – vom T-Shirt bis zum Kugelschreiber, vom Auto bis zum Haus. Wir haben gerade unser neues Buch über Kreislaufwirtschaft veröffentlicht und es «cradle-2-cradle»-mässig gedruckt.

 

Das Cover enthält Pflanzensamen, sodass es theoretisch in den Garten geworfen werden kann, um einen neuen Kreislauf zu starten; oder man gibt es an Freunde weiter und initiiert einen intellektuellen Fortgang. Mein Anliegen ist es, Menschen dazu zu inspirieren bewusster einzukaufen und mit einem ganzheitlicheren Ansatz zu investieren. Kreislaufwirtschaft ist eines der sechs Schlüsselthemen, zu denen wir beraten.

 

Das Konzept «Cradle-to-Cradle» beschreibt das Design und die Herstellung von Produkten, die am Ende ihrer Lebensdauer tatsächlich recycelt oder wieder zu Erde werden.

 

Im Wesentlichen geht es darum, jedes Produkt zu zerlegen und so zu gestalten, dass es kreislauffähig ist. Diese Aufgabe mag zunächst einschüchternd wirken, macht aber auch Freude, besonders wenn wir die zahlreichen neuen exponentiellen Technologien und ihre Möglichkeiten mitdenken.

 

An welche Dinge denken Sie da vor allem?


An alle! Anfangs müssen wahrscheinlich die einfachen sowie die sehr komplexen Dinge in Angriff genommen werden. Langfristig hoffe ich, dass wir jedes Produkt von Grund auf neu denken werden. Man könnte mit Lebensmitteln beginnen, da sie oft übermässig verpackt und unnötig bearbeitet sind. Danach sollten wir uns den Alltagsgegenständen zuwenden, wie Rasierern, Zahnbürsten, Kugelschreibern und Kleidung, die häufig aus Asien stammen und chemisch behandelt sind. Aber dasselbe gilt für Autos, Häuser, Bahnen und mehr.

Ist die breite Bevölkerung genügend informiert oder bereits sensibilisiert, um Nachhaltigkeit für die nächste Generation voranzutreiben?


In der Schweiz gibt es verhältnismässig viele Menschen, die sich damit beschäftigen, aber wir sind noch weit entfernt von einem zufriedenstellenden Standard. Deshalb ist es entscheidend, darüber zu sprechen und vor allem durch Investments zu zeigen, was möglich ist. Wirtschaften darf zukünftig nur so funktionieren, dass man Profit generieren kann, während gleichzeitig die Nachhaltigkeit des Planeten mitgedacht wird.

 

Wie sieht Ihr persönliches Engagement aus?


Mein Sohn erinnert mich fast täglich daran, dass ich noch nicht wirklich kreislauffähig lebe und damit hat er natürlich Recht. Ich liebe Vinyl-Platten und besitze Tausende davon. Ebenso sammle ich Fotografien von Musikern und fahre Auto. Aber ich werde laufend besser und versuche, täglich mindestens eine weitere alte Gewohnheit aus meinem Leben zu entfernen. Heute war das zum Beispiel der Rasierer, da ich jetzt einen Bart trage und den Rest mein Friseur hier im Seefeld erledigt mit seinem wunderbaren und über 80 Jahre alten Rasiermesser.

 

Wie wünschen Sie sich eine nachhaltige Zukunft, in der Ihr Sohn leben soll?


Eine Zukunft verantwortlich aufgebaut auf exponentiellen Technologien, zirkulär und dezentral. Dann verwirklichen wir ultimativ auch Longevity und werden alle niemals sterben. Das wäre doch schön, oder?

November 2023

Zur Person:


Dr. Guenther Dobrauz-Saldapenna, MBA, Venture Capital Investor, Jurist, Anhänger der Kreislaufwirtschaft, Enthusiast für exponentielle Technologien und Autor.

Günther hat einen Magister- und Doktorabschluss in Rechtswissenschaften von der Johannes Kepler Universität (Österreich), einen MBA von der University of Strathclyde (Schottland) und hat Executive Education Programme an der Harvard Business School, der Harvard Law School, dem IMD und der Singularity University absolviert.

Er investiert seit vielen Jahren leidenschaftlich in die Zukunft und glaubt fest daran, dass die Zukunft zirkulär und dezentralisiert sein muss, um wirklich langlebig zu sein!

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